Gab es in den 50er Jahren eine sehr lebendige Jugendgruppe in St. Augustin, so hat sich durch die Wohnsituation im 1. Bezirk auch das Gesicht der Gemeinde gewandelt: es ist sichtlich gealtert und hat sich doch eine jugendliche Frische bewahrt. Einerseits gibt es die Geburtstagsbriefe an Senioren unseres Pfarrgebiets, auf der anderen Seite stellen wir beim Betrachten der Adresslisten der Senioren von St. Augustin fest, dass viele aus anderen Bezirken Wiens hier bei uns eine Heimat gefunden haben. Das beginnt schon bei der Hauptverantwortlichen für die Seniorenarbeit der Pfarre, Frau Gerda Loidl, die im 19. Bezirk wohnt.

 

Weil alle Felder der Pastoral in einer Innenstadt gar nicht mehr erfüllt werden können, haben wir schon seit Jahren einige Schwerpunkte in der Seelsorge gesetzt. Einer davon ist die Arbeit mit und für die Senioren, ein Kreis von etwa 35 Personen. Eben die Situation der Innenstadt ruft nach "Aufgabenteilung", wobei es gar nicht sicher ist, ob von Seniorenarbeit gesprochen werden kann bei dem, was und wie die Gruppe die Gemeinde mitformt.

 

Gestaltung des Lebens aus dem Glauben
Außerkirchliche Verbände können ebenso Seniorenarbeit betreiben, manchmal vielleicht besser als unsereins, die wir auf diesem Gebiet nicht immer eine adäquate Ausbildung haben, um in allen Facetten lupenrein zu arbeiten. Aber die Arbeit mit älteren Menschen unserer Gemeinden hat einen anderen Namen und von da her auch einen anderen Zugang: die Pastoral. Dieser Begriff umfasst mehr als nur eine Beschäftigung in einer bestimmten Lebensphase von Menschen, sondern ist Programm. Das Leben im Licht des Glaubens zu lesen und zu deuten in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten und in einem ähnlichen Alter. Dazu ist nötig, dass Senioren bereits als Junioren im Glaubensleben standen und nicht nur im Leben. Sonst könnte der Trugschluss aufkommen, dass Gott, die Kirche oder eine konkrete Pfarrgemeinde erst in der Pension aktuell werden. Eine Pfarrgemeinde wird so zum Platzhalter dafür, was im Leben nicht mehr erreicht werden kann. Zum Glück ist es so, dass in St. Augustin die Senioren immer auch glaubensaktiv waren. Es kommt schon vor, dass, vielleicht durch Krankheit, durch einen Schicksalsschlag, durch widrige Lebensumstände der Weg im Glauben gehemmt war - eine Ernüchterung in kirchlichen Angelegenheiten eintrat und durch das Alter sich nun wieder die Lebenswogen zu glätten beginnen, hier in der Pfarre sich geborgen wissen und in der Gemeinschaft Zukunft geschieht.

 

Die Liturgie als Motor der Bewegung
Für die meisten Senioren der Pfarre St. Augustin ist das sonntägliche Hochamt der Mittel- und Höhepunkt gemeindlichen Lebens. Da sind alle, jung und alt, gleichermaßen da und feiern mit. So ist die Gruppe der Senioren nicht abgekapselt und führt ein Eigenleben, sondern ist aktiver Mitgestalter der Gottesdienste. Aus diesen erwächst das Potential all derer, die Zugang finden in unsere Pfarrgemeinde zur Seniorengruppe. Das Hören des Wortes Gottes und das Feiern der Eucharistie ist so wirklich Höhepunkt kirchlichen Lebens vor Ort und die Senioren wissen sich eingebunden in die größere Gemeinschaft der Pfarre und des Dekanates. Dazu kommen noch die Gottesdienste für die Senioren alle 14 Tage. Sind sie in der kalten Jahreszeit zumeist in der Loretokapelle der Augustinerkirche, also daheim, sind die Seniorennachmittage in der wärmeren Jahreszeit außerhalb der Pfarrgrenzen. Aus der Not haben sie eine Tugend gemacht: Während der langen Renovierungsphase der Kirche (1996-1999) hatten die Senioren keinen adäquaten Raum für ihre Zusammenkünfte, sowohl für das gemütliche Beisammensein als auch für die Gottesdienste. Die Idee, Ausflüge zu veranstalten, wurde begierig aufgenommen. Dabei war und ist den Senioren wichtig, dass die Ausflüge so organisiert werden müssen, dass sie auch jedes Mal in einer Kirche oder Kapelle eine hl. Messe feiern können. Das ist für die Teilnehmer ein wichtiger Impuls der Zusammengehörigkeit. Es sind die Senioren nämlich stets als Pfarrgemeinde unterwegs und das wollen sie auch deutlich machen. Also heißt es für die Verantwortlichen darauf zu achten, dass die Ziele so ausgesucht werden müssen, dass sie auch immer eine Möglichkeit für den Gottesdienst haben.

 

Bildung und Kultur
Ausgehend also von der früheren Notwendigkeit, die Seniorennachmittage außerhalb von St. Augustin zu veranstalten, hat es sich ergeben, dass nun mehr Personen an den Veranstaltungen teilnehmen. Was als Übergangslösung bis zur Fertigstellung der Renovierung der Kirche und der Pfarrräumlichkeiten gedacht war, ist zur Praxis geworden und nun nicht mehr wegzudenken. Dazu kommt der Umstand, dass die dafür vorgesehenen Räumlichkeiten der Pfarre auch nicht mehr ausreichen, alle Senioren aufzunehmen. Weil diese Gruppe tatsächlich interessiert ist, will sie weiterhin die gemeinsamen Nachmittage zweimal im Monat mit Bildung und Kultur verbringen. Sowohl Besuche in Museen als auch Fahrten zu Burgen und Schlössern mit Ausstellungen stehen am Programm. Von da her ist das Angebot so vielfältig wie es eben Ausstellungen und Sehenswertes gibt. Jeder Termin ist von da her etwas Besonderes, weil immer aktuelle Angebote die Nachmittage bereichern. Eigentlich dürften die Treffen gar nicht mehr "Nachmittage" heißen, denn oft wird es spät am Abend, bis die Senioren zurückkommen. Aus dieser lebendigen Praxis, Kunst, Bildung und Kultur in den Alltag zu integrieren, ist die Idee entstanden, auch gemeinsame Opern- oder Konzertabende zu besuchen. Erst vor kurzem war die Gruppe in der Pressburger Oper, damit verbunden einen kleinen Rundgang durch die Innenstadt und einem gemeinsamen Abendessen. Allein durch das Interesse der Senioren ist es möglich, ein so intensives Programm zu erstellen und anzubieten.

 

Ausklänge
Jeder Seniorennachmittag, erfüllt mit Gottesdienst und Kultur, braucht auch einen gemütlichen Ausklang, der niemals zu kurz kommen darf. So wird stets ein gemütliches Lokal oder ein Heuriger ausgesucht, in dem sich die Teilnehmenden laben, die gewonnenen Erfahrungen austauschen und vor allem gemütlich beisammen sein können. Die frohe Tischgemeinschaft ist nicht zu unterschätzen, weil die Gruppe ins Gespräch kommen kann und auch Alltagsgeschichten ausgetauscht oder gar Sorgen benannt werden können. Daraus entsteht ein neues Gefüge des Miteinander: Senioren besuchen einander auch außerhalb der Seniorennachmittage; ebenso ist ein Besuchsdienst für kranke Mitglieder der Pfarrgemeinde daraus entstanden und so manche ganz konkrete Hilfe wurde schon für andere geleistet.

 

So dürfen wir mit Freude feststellen, dass aus der anfänglichen Not nicht nur eine Tugend geworden ist, sondern dass ein nötiger Schwerpunkt in der Seelsorge dadurch kein Schattendasein erfährt, sondern ganz aktuell geworden ist. Die "Arbeit" mit den Senioren ist in St. Augustin ganz natürlich gewachsen und ein integrierter Bestandteil der Seelsorge geworden. Viele von ihnen helfen bei verschiedenen Aktivitäten der Pfarre mit und nehmen an Bildungsveranstaltungen der Pfarre und des Konventes teil. Dadurch erfahren sich die Senioren nicht als letztes Glied der Kirche, sondern als Kernaufgabe gerade in der heutigen Zeit, da die Menschen älter werden und dabei auch agiler bleiben.

 

Leiterin:

Gerda Loidl

P. Mag. Matthias Schlögl OSA

 

Termine:

Mittwoch,   7. September 2016, 12.30 Uhr

Mittwoch, 21. September 2016, 12.30 Uhr

Mittwoch,   5. Oktober 2016, 12.30 Uhr

Mittwoch, 19. Oktober 2016, 16.00 Uhr

Mittwoch,   2. November 2016, 14.30 Uhr

Mittwoch, 16. November 2016, 12.30 Uhr

Mittwoch  30. Dezember 2016, 12.30 Uhr

Mittwoch, 14. Dezember 2016, 15.30 Uhr

Mittwoch, 11. Jänner 2017, 12.30 Uhr

Mittwoch, 25. Jänner 2017, 12.30 Uhr

Mittwoch,   8. Februar 2017, 12.30 Uhr

Mittwoch, 22. Februar 2017, 12.30 Uhr

 

Termine:

Die aktuellen Termine und Themen unserer Seniorennachmittage finden Sie in unserem ⇒ Veranstaltungskalender.