Wallfahren ist und bleibt in den überlieferten Bräuchen aller Weltreligionen verankert, und auch bei uns sind Wallfahrten (wieder) sehr gefragt, besonders Fußwallfahrten.  Unser Glaube wird nämlich erst dann wirksam, wenn er ins Leben übersetzt, "realisiert" wird in Wahrnehmung und Lebensvollzug. Dabei ist das Wallfahren bleibende Hilfe, weil es reelles Symbol für unsere menschliche Lebensentfaltung ist: Mensch-Sein ist gekennzeichnet von Unterwegs-Sein, von Auf-dem-Weg-Sein. Das, was eine Wallfahrt ausmacht – die Unterbrechung vom Alltag; das Verlassen, um anderes zu erreichen; das Zurückbleiben; das Vorwärtskommen; die Scheidewege und Wegkreuzungen; die Wegsuche; das Ziel vor Augen; die Weggefährten; manchmal auch das Umkehren – ist gleich einem Spiegelbild auf das je eigene Leben übertragbar.

 

Wir Menschen sind Pilger, religiöse Wanderer, auf der Suche nach dem Unmittelbaren, nach der Begegnung mit Gott, die für viele ja auch in der Wahrnehmung der Natur gelegen ist. Wir suchen Orte der Gnade, wo etwas von Gott erfahren werden kann. Diese Gnadenorte sind dort, wo Menschen ihre Lebensschicksale bittend und dankend vor Gott gebracht haben, wo Trost, Freude und Umkehr geschenkt werden.

 

Religiöse Bildung und Glaubensweitergabe bedeuten vor allem Ermöglichung und Eröffnung dieser Erfahrung. Dafür bieten Wallfahrten große Möglichkeiten, weil Räume der Stille bereitet werden können und Zeit bleiben kann für die persönliche Begegnung und Begleitung bei der Suche nach Gott. Gerade das Wallfahren in Gemeinschaft stiftet Gemeinde und Kirche, die als das "pilgernde Gottesvolk auf Erden" bezeichnet und ausgewiesen wird.

 

Weil die Augustiner bereits positive Erfahrungen beim Pilgern nach Mariazell gewonnen hatten, wollten sie diese auch den mutigen Wallfahrern von St. Augustin zu Teil werden lassen. So entstand 2003 die Augustiner-Fußwallfahrt nach Mariazell, die seitdem jedes Jahr im Mai stattfindet. Zwischen 25 und 40 Teilnehmer legten in den letzten Jahren die 120 km zur Magna Mater Austriae in vier Tagen zurück. Gemeinsam meistern sie die Höhen und Tiefen des Weges und erholen sich bei kleinen "Gnadenorten" (Maria Raisenmarkt, Unterberg) und beim gemütlichen Tagesausklang in den Quartieren. Dank der gegenseitigen Rücksichtnahme, der Motivation durch die Gruppe, der beiden Begleitfahrzeuge und der Hilfe Gottes (Zitat einer Pilgerin: "Ich habe um Kraft gebetet und ich habe sie bekommen!"), ist die Ankunft in Mariazell immer ein unbeschreibliches Erlebnis. Manche mussten in den letzten Jahren wirklich große Mühen auf sich nehmen und auch Schmerzen beim Gehen ertragen. Doch die Erfahrung, mit Gottes Beistand ans Ziel gekommen zu sein, machte vieles wieder gut.

 

Daheim angekommen dürfen die Wallfahrer bereichert und gestärkt wieder an die Arbeit gehen. Nur Gott allein weiß, wie schwer der lange Weg gefallen ist, wie schön allerdings auch die gemeinsamen Tage waren und wie sie jede und jeden geprägt haben.

 

Leiter:

P. Nikolaus Schachtner OSA
Michael Schimpl

 

Zeit & Ort:

Mai/Juni

 

Informationen

zur Augustiner-Fußwallfahrt erhalten Sie bei P. Nikolaus ⇒ p.nikolaus@augustiner.at